Zurück zum Hub
eIDAS · SES · AES · QES

SES vs AES vs QES – Was ist der Unterschied zwischen den Arten elektronischer Signaturen?

Elektronische Signaturen werden heute weithin genutzt, um Verträge zu unterschreiben, Dokumente freizugeben und Geschäftstransaktionen digital abzuschließen. Allerdings bieten nicht alle elektronischen Signaturen dasselbe Maß an Sicherheit, Identitätsprüfung oder Rechtssicherheit.

8 Min. Lesezeit

Gemäß der eIDAS-Verordnung der EU (Verordnung (EU) Nr. 910/2014) werden elektronische Signaturen in drei Stufen eingeteilt:

SES

Einfache elektronische Signatur

AES

Fortgeschrittene elektronische Signatur

QES

Qualifizierte elektronische Signatur

Jede Art bietet ein anderes Maß an Vertrauen, Sicherheit und rechtlicher Absicherung. Das Verständnis der Unterschiede hilft Organisationen, für jede Situation die passende Signatur zu wählen.

Was ist eine elektronische Signatur?

Eine elektronische Signatur besteht aus elektronischen Daten, die einem Dokument beigefügt sind und die Absicht einer Person ausdrücken, dieses Dokument zu unterschreiben oder freizugeben.

Elektronische Signaturen können viele Formen annehmen – vom Klick auf eine „Akzeptieren“-Schaltfläche online bis zur Verwendung kryptografischer digitaler Zertifikate, die von vertrauenswürdigen Stellen ausgestellt werden.

Die drei Arten elektronischer Signaturen

SES

Einfache elektronische Signatur (SES)

Die einfache elektronische Signatur ist die grundlegendste Art der elektronischen Signatur.

Beispiele:

  • Eingabe Ihres Namens in ein Online-Formular
  • Klick auf eine „Ich stimme zu“-Schaltfläche
  • Einfügen eines Bildes Ihrer Unterschrift
  • Bestätigung der Annahme per E-Mail

SES ist weit verbreitet, weil sie schnell und einfach ist, bietet aber nur begrenzte Sicherheit. In der Regel umfasst sie weder eine Identitätsprüfung noch einen starken kryptografischen Schutz.

Häufig verwendet für:

Vereinbarungen mit geringem RisikoWebsite-AGBEinfache interne Freigaben
AES

Fortgeschrittene elektronische Signatur (AES)

Die fortgeschrittene elektronische Signatur bietet stärkere Sicherheit und Verifizierung.

Gemäß eIDAS muss eine AES folgende Anforderungen erfüllen:

  • Sie muss eindeutig dem Unterzeichner zugeordnet sein
  • Der Unterzeichner muss identifizierbar sein
  • Sie muss mit Daten erstellt werden, die der Unterzeichner unter seiner alleinigen Kontrolle hat
  • Jede nachträgliche Änderung des Dokuments muss erkennbar sein

AES nutzt kryptografische Technologie und digitale Zertifikate, um die Integrität des Dokuments und die Authentizität des Unterzeichners sicherzustellen. Wird ein signiertes Dokument nach der Unterzeichnung verändert, wird die Signatur ungültig – Manipulationen sind so leicht zu erkennen.

Typischerweise verwendet für:

HandelsverträgeLieferantenvereinbarungenUnternehmensdokumentation
QES

Qualifizierte elektronische Signatur (QES)

Die qualifizierte elektronische Signatur ist die höchste Stufe der elektronischen Signatur nach eIDAS. Sie umfasst alle Merkmale der fortgeschrittenen elektronischen Signatur und ergänzt zwei entscheidende Elemente:

Qualifiziertes digitales Zertifikat

Ausgestellt von einem qualifizierten Vertrauensdiensteanbieter (QTSP)

Qualifiziertes Gerät (QSCD)

Qualified Signature Creation Device

Die QES ist in der gesamten Europäischen Union der handschriftlichen Unterschrift rechtlich gleichgestellt.

Typische Anwendungsfälle:

ArbeitsverträgeFinanzvereinbarungenDokumentation regulierter BranchenGrenzüberschreitende Verträge in der EU

SES vs AES vs QES – Die wichtigsten Unterschiede

MerkmalSESAESQES
IdentitätsprüfungNicht erforderlichMöglich, aber nicht garantiertStarke Prüfung erforderlich
Kryptografischer SchutzNeinJaJa
AuthentifizierungNicht garantiertOft mit MFAMulti-Faktor-Authentifizierung erforderlich
ManipulationserkennungBegrenztJaJa
Rechtliche WirkungKontextabhängigHoher BeweiswertDer handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt

So funktionieren digitale Signaturen

Fortgeschrittene und qualifizierte elektronische Signaturen beruhen auf der Public-Key-Infrastruktur (PKI), die zwei kryptografische Schlüssel verwendet:

Privater Schlüssel

Wird vom Unterzeichner zum Erstellen der Signatur verwendet

Öffentlicher Schlüssel

Wird zur Prüfung der Signatur verwendet

Wenn ein Dokument digital signiert wird:

1

Ein eindeutiger digitaler Fingerabdruck des Dokuments (Hash) wird erzeugt

2

Der Hash wird mit dem privaten Schlüssel des Unterzeichners verschlüsselt

3

Die verschlüsselte Signatur wird an das Dokument angehängt

Schon eine kleine Änderung am Dokument macht die Signatur ungültig.

Digitale Zertifikate und Vertrauensdiensteanbieter

Digitale Signaturen stützen sich auf digitale Zertifikate, um die Identität des Unterzeichners zu prüfen. Ein digitales Zertifikat verknüpft die Identität einer Person mit ihren kryptografischen Schlüsseln und wird von einer vertrauenswürdigen Organisation ausgestellt, einem sogenannten Vertrauensdiensteanbieter (Trust Service Provider).

Für qualifizierte elektronische Signaturen müssen die Zertifikate von qualifizierten Vertrauensdiensteanbietern (QTSP) ausgestellt werden, die die eIDAS-Verordnung einhalten. Diese Anbieter sind in der offiziellen EU-Vertrauensliste (EU Trusted List) aufgeführt.

Elektronische Zeitstempel für zusätzliche Sicherheit

Ein Zeitstempel belegt, dass ein Dokument zu einem bestimmten Zeitpunkt existierte und seitdem nicht verändert wurde. Der Zeitstempel ist kryptografisch mit dem Dokument verknüpft und liefert einen zusätzlichen Nachweis für Integrität und zeitliche Abfolge.

Qualifizierte Zeitstempel werden in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt.

Welche elektronische Signatur sollten Sie verwenden?

Welche Signaturart passt, hängt vom Risikoniveau und den rechtlichen Anforderungen des Dokuments ab.

SES

Geeignet für einfache Freigaben oder Vereinbarungen mit geringem Risiko

AES

Stärkere Authentifizierung und Dokumentenschutz

QES

Höchstes Maß an Rechtssicherheit und Identitätsprüfung

Digital unterschreiben mit Simplifi

Simplifi verbindet qualifizierte Vertrauensdienste mit modernen Dokumenten-Workflows und ermöglicht es Organisationen, Dokumente sicher und effizient zu unterschreiben.

Dokumente hochladenMehrere Unterzeichner einladenQualifizierte elektronische SignaturenSignaturprozess verfolgen

Schließen Sie rechtsverbindliche Dokumente schneller, sicherer und vollständig eIDAS-konform ab.

Dieses Material dient Informationszwecken und gibt den Informationsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Für besondere Situationen empfehlen wir die Rücksprache mit einem Fachexperten.

Simplifi ist ein qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter (QTSP), zugelassen für qualifizierte Vertrauensdienste gemäß der eIDAS-Verordnung.